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Projektvorstellung

Das Editionenportal Thüringen ist ein an der Universität Jena durchgeführtes und von der Thüringer Staatskanzlei seit 2017 gefördertes Projekt. Das Ziel ist die Entwicklung eines uneingeschränkt zugänglichen Onlineportals (open access) zur transdisziplinären Erstellung, Publikation und Erforschung digitaler wissenschaftlicher Editionen historischer Quellen mit Bezug zu Thüringen und dessen Geschichte (thematisch, quellenkundlich, personell, geographisch, institutionell, sammlungsbezogen, editorisch). Das Portal wird dazu beitragen, das reiche kulturelle Texterbe Thüringens überregional sichtbarer, neu und tiefer erforschbar und dessen Aufbereitung attraktiver zu machen. Entsprechend wird es kontinuierlich weiterentwickelt und die hier vorgestellten mittel- und langfristigen Vorhaben umgesetzt.

Konzept

Die Onlineplattform dient zunächst der Präsentation abgeschlossener bzw. in Arbeit befindlicher Editionen handschriftlicher Quellen der Neuzeit und wird mittelfristig zu einer Recherche- und vollumfänglichen Editionsforschungsumgebung im Rahmen des UrMEL-Frameworks der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) ausgebaut werden. Damit wird eine digital-kulturelle Infrastruktur geschaffen, die Editionen historischen Quellenmaterials aus den Beständen verschiedener Einrichtungen (Bibliotheken, Archive, Museen, Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, historische Vereine) auf einheitlich hohem wissenschaftlichem Niveau bereitstellt, gebündelt präsentiert und gemeinsam erforschbar macht. Mit Meta- und Volltextdaten, Digitalisaten, Registern, Paratexten, Visualisierungen, gezielten Such-, Sortierungs- und Filteroptionen wird das Editionenportal Thüringen eine wissenschaftlich hochwertige und intuitiv bedienbare digitale Publikations- und Rechercheumgebung anbieten.

Das Portal verfolgt einen generischen Ansatz, um Editionen projektübergreifend recherchier-, visualisier- und erforschbar zu machen. Zugleich ist jede Edition des Portals als eigenständige Forschungsleistung in Form einer projektspezifischen Publikation sichtbar und zitierbar. Innerhalb der editorischen Portallandschaft verortet sich das Portal damit zwischen Einzeleditionsprojekte nivellierenden Textsammlungen einerseits und stets neuen digitalen Einzeleditionen mit meist zu spezifischen Eigenschaften und Funktionalitäten andererseits. Durch die Einbindung des Portals in das "Digitale Kultur- und Wissensportal Thüringens" werden die Editionen aber nicht nur untereinander, sondern auch mit dem bereits digitalisierten 2D- und 3D-Kulturerbe aus über 100 Museen, Bibliotheken und Archiven in Thüringen und darüber hinaus verknüpft. So entsteht ein überregional sichtbares und zugleich thüringenbezogenes Netzwerk von miteinander verbundenen, wissenschaftlich erschlossenen Objekten und Dokumenten. Um die Editionen und deren Deutungszusammenhänge aber auch über den Thüringenbezug hinaus erforschbar zu machen, liegt ein Fokus auf der Bereitstellung von Datenschnittstellen, der Verwendung offener und etablierter Datenformate und der Nachnutzung bereits existierender Open-Source-Software. Ein weiterer zentraler Aspekt stellt die Langzeitverfügbarkeit der im Portal dargebotenen Informationen dar.

Zielgruppen/Nutzungsszenarien

Als frei zugängliche Onlineplattform ist das Editionenportal ein Angebot für die gesamte interessierte Öffentlichkeit, historische Quellen Thüringer Geschichte in aufbereiteter, lesbarer Form kennenzulernen und nach zu nutzen. Darüber hinaus folgt das Konzept des Portals wissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Absichten. So wird wissenschaftlichen Editionsprojekten, die kein eigenes Portal aufsetzen und dauerhaft unterhalten können, eine Publikationsmöglichkeit zur Verfügung gestellt und darüber hinaus zu neuen Editionen von Quellen aus Archiven, Bibliotheken, Museen, Gedenkstätten und landesgeschichtlich interessierten Vereinen angeregt.

Während bereits zahlreiche digitale Analysemethoden und -tools bereitstehen, fehlt es den Digitalen Geisteswissenschaften (DH) an adäquatem Quellenmaterial, an dem diese Methoden getestet und weiterentwickelt werden können. Das Thüringer Editionenportal begegnet diesem Desiderat, indem es Textquellen auf hohem wissenschaftlichem Niveau und in Form frei nachnutzbarer, gut dokumentierter Daten bereitstellt, die für anschließende Forschungsfragen weiterverarbeitet werden können. Durch den Einsatz standardisierte Datenmodelle und -formate trägt es zur Verknüpfung von Textkorpora bei, wodurch ein semantisches Netz an Informationen entsteht, die im Forschungsprozess zu gänzlich neuen Erkenntnissen führen, da sie Beziehungen aufdecken, die vorher nicht ersichtlich waren. Diese neuen Deutungszusammenhänge werden im Editionenportal nur scheinbar durch den Thüringenbezug begrenzt. Vielmehr treten sie in Beziehung zu den Daten immer weiterer nationaler und internationaler Portale und Korpora, die sich dieser Standards ebenfalls bedienen.

Ferner bietet das Editionenportal eine Forschungsplattform für Fachwissenschaftler der thüringischen Regional- und Landesgeschichte, um konstituierende Texte der reichen Thüringer Vergangenheit über die Grenzen der einzelnen Disziplinen, Repositorien, Textgattungen, Regionen, Themen und Epochen hinweg zusammenzuführen, zusammenzudenken und in vorher unbeachteten Kontexten zu untersuchen. Daraus entstehen Synergien, die dabei helfen, die thüringische Historie in ihren Verknüpfungen neu zu konturieren und damit der Frage nachzugehen, was thüringische Geschichte insgesamt, also über ihre einzelnen historischen Herrschaftsgebiete und Epochen hinaus, ausmacht. Verbindungen, Kontinuitäten und Brüche werden geschärft.

In editionswissenschaftlicher Hinsicht leistet es einen Beitrag zu der Frage, ob und wie ein generisches Editionenportal sowohl projektspezifische, aus der Heterogenität der Quellen und den Erwartungen der Edierenden, Rezipienten und Förderer resultierende, als auch gesamtportalische, editionsübergreifende Interessen gleichermaßen verbinden kann.

Adressiert ist das Portal zudem an LehrerInnen und Bildungseinrichtungen, denen es Quellentexte für die didaktische Nutzung zur Verfügung stellt. Für das Erlernen altdeutscher Schrift als Voraussetzung für das Kennenlernen und Edieren noch nicht transkribierter Quellen kooperiert das Projekt mit dem EU-geförderten eLearning-Webservice Transkribus Learn. Mit Hilfe einer beispielreichen Dokumentation der Transkriptions- und Auszeichnungsprinzipien werden SchülerInnen und Studierende zudem an die editionswissenschaftliche Erstellung kritischer wissenschaftlicher Editionen in Theorie und Praxis herangeführt.

Forschungsdaten

Die in ständiger Weiterentwicklung begriffenen Forschungsdaten in Bezug auf das im Rahmen des Projektes entwickelte ThULB-Basisformat und weitere portalbezogene Forschungsdaten finden sich auf GitHub: https://github.com/mprell/Editionsportal-Thueringen

Projektausführende

  • Prof. Dr. Gisela Mettele (Leiterin)
  • Martin Prell, M.A. (Koordinator)
  • PD Dr. Julia A. Schmidt-Funke (Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha)
  • Saskia Jungmann, M.A. (wiss. Hilfskraft)
  • Annemarie Mueller, M.A. (wiss. Hilfskraft)
  • Sven Kellermann, Fachinformatiker
  • Alexander Miller, Fachinformatiker

Projektpartner

  • Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena
  • Forschungsbibliothek Gotha
  • Landesarchiv Thüringen
  • Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
  • Deutsches Textarchiv
  • Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik der FSU Jena
  • Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha
  • Stadtarchiv Weimar
  • Transkribus Learn (EU-Projekt "READ")
  • Virtuelle Forschungsumgebung FuD der Universität Trier
  • Erfurter Netzwerk für Digital Humanities und Citizen Science
  • DHnet Jena samt darin vertretener Editionsprojekte wie bspw. "Herbarium Haussknecht" oder "Frühneuzeitliche Fürstinnenkorrespondenzen im mitteldeutschen Raum" (beide DFG-gefördert)
  • Digitalisierungsprojekt "Kirchliches und schulisches Zeitschriftenwesen für den Bereich der Thüringer Landeskirchentümer vom Ende des 18. bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts" des Zentrums für religionspädagogische Bildungsforschung der Universität Jena (ZRB)
  • Lebenslauf-Projekt "Moravian Lives" (Katherine Faull, Bucknell-University, Pennsylvania)
  • Digitale Edition Thüringer Funeralschriften (Prof. Dr. Irene Dingel, Prof. Torsten Schrade; beantragt)
  • Edition der Italien-Reisen der Bollandisten in den 1660er Jahren (Prof. Susanne Daub, Lehrstuhl Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, FSU Jena; beantragt)

Kontakt

Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB)
Bibliotheksplatz 2
07743 Jena

Tel.: +49 3641 9-404 000
Fax: +49 3641 9-404 002